„Jüngere sollen ans Ruder“

20. Februar 2016

ABSCHIED Für den Steinbacher Peter Ullrich ist nach 39 Jahren Kommunalpolitik Schluss

Zum Umdenken konnte ihn niemand bewegen. Weder die Ehefrau, die ihn ermunterte, noch eine Amtsperiode dranzuhängen, noch die Nachbarn im Dorf, die enttäuscht festgestellt hatten: „Peter, Du stehst ja gar nicht mehr auf der Liste.“

Ullrich ist der „Dienstälteste“ im Parlamentssaal. Noch vor der Gebietsreform in Hessen im Jahre 1975 beschloss der Malermeister, sich den Christdemokraten anzuschließen. Schon damals lautete sein Credo: Nur über die Partei – und damit verbunden die Wahl in das Stadtparlament – lassen sich die Interessen seines kleinen Heimatdorfes im Rathaus in der Kernstadt vertreten.

Von 1977 bis heute ist der 72-Jährige seinen Prinzipien treu geblieben – fast vier Jahrzehnte. Bis zum Dezember 2009 war Ullrich Stadtverordneter und arbeitete regelmäßig, auch als stellvertretender Vorsitzender, im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung mit. In diesem Gremium war der Expertenrat des Malermeisters oft gefragt.

Die Riege der Stadtväter verstärkt Ullrich seit dem Winter 2009. Nach dem plötzlichen Tod von Stadtrat Dieter Schol trat der erfahrene CDU-Mann dessen Nachfolge im Magistrat an.

Zuvor hatte sich Ullrich über Jahre hinweg gesträubt, in den Stadtrat einzuziehen. Selbst sein enger Freund, Bürgermeister Willi Kröckel, konnte ihn nicht über den „Tisch ziehen“. Der Steinbacher erinnert sich heute noch ganz gut an das „Werben“ des Rathauschefs. „Peter, willst Du nicht zu uns in den Magistrat kommen?“ Die Antwort, kurz und treffend: „Nein, dann kann ich mich nicht mehr in die Diskussion einmischen.“

Denn unvergessen bleiben die Auftritte in der „Bütt“. Kenntnisreich und mit spitzer Zunge formulierte der Abgeordnete sein Anliegen, immer bemüht, auch des „Volkes Meinung“ wiederzugeben. Dass der Redner Ullrich sich durchaus Respekt verschaffen konnte, verdeutlicht das Lob eines Mitstreiters über den Gemütsmenschen am Mikrofon: „Wenn er Platt schwätzt, wird’s gefährlich.“

In der Debatte gab es keine Rücksicht auf große Namen

Rücksicht auf große Namen gab es nicht. Als es beispielsweise um gekürzte Zuschüsse für die Sanierung des Steinbacher Sportplatzes ging, legte sich der Christdemokrat auch mit dem Verwaltungschef an. „Ich habe die Meinung der Bevölkerung vertreten. Es gab einen Schlagabtausch. Und dann war’s vorbei.“ Denn nachtragend ist der Steinbacher nie gewesen.

Stolz ist der Christdemokrat noch darauf, dass im Haigerer Parlament parteiübergreifend gearbeitet wurde und Kirchturmdenken nicht im Vordergrund stand. Die oft zu hörende Klage „Die hinter der Autobahn werden sowieso vergessen“ hatte für ihn keine Bedeutung. Ein Beispiel: das Gewerbegebiet Kalteiche. Da „hätten Christdemokraten und Sozialdemokraten mächtig Prügel bekommen“, wenn sie das Projekt nicht gemeinsam auf den Weg gebracht hätten, vertritt der Stadtrat auch heute noch die Ansicht,dass es besser ist, das Parteibuch auch einmal auf die Seite zu legen. Jetzt profitierten alle Haigerer von der Entscheidung, an der Grenze zum Siegerland Unternehmen anzusiedeln.

Fast vier Jahrzehnte hat Ullrich an Parlamentssitzungen teilgenommen, in Ausschüssen debattiert und als Magistratsmitglied in der Reihe neben Stadtverordnetenvorsteher und Bürgermeister gesessen. Stets ist er pünktlich erschienen und war fast nie krank. „Meine Fehltage sind an einer Hand abzuzählen“, erzählt er. Ein Mann, der den „Job“ Kommunalpolitiker ernst genommen hat.

Der alten Wirkungsstätte will der 72-Jährige nicht ganz den Rücken kehren. Er verspricht, die Politik weiterhin zu verfolgen – in Zukunft von den Zuschauerrängen im Sitzungssaal aus.

Mit der Familie Wanderungen unternehmen und ab und an im eigenen Unternehmen beim Streichen den Pinsel schwingen – das sind Dinge, die sich der (Polit)Rentner Peter Ullrich noch vorgenommen hat.

Quelle: mittelhessen.de (Artikel von Kilian Scharf)

 

Da bleibt uns als CDU-Haiger vorerst nur zu sagen, „Vielen herzlichen Dank lieber Peter“
Aufopferungsvoll und voller Tatendrang hast Du Jahrzehnte lang für die Stadt und CDU mit begleitet, geführt und deren Seite gekämpft.

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